Langfristige Psychische StabilitÀt

  • Hallo 😊 zusammen.

    Viele Prepping-Konzepte fokussieren sich ja auf das unmittelbare Überleben (HĂ€ufig bis 30 Tage). Die kritische, aber als oft vernachlĂ€ssigte Variable empfinde ich die psychologische StabilitĂ€t bei einem Übergang in einen permanenten Krisenzustand (z.B. monatelanger Blackout, BĂŒrgerkriegs-Ă€hnliche ZustĂ€nde).


    > Meine These ist, dass ohne gezielte Vorbereitung auf diesen "mentalen Verschleiß" die besten materiellen VorrĂ€te wertlos werden.


    Meine Frage an euch:

    Welche proaktiven Maßnahmen trefft ihr, um die folgenden psychologischen Risiken zu reduzieren?

    Verlust von Routine und Zweck:

    Welche nicht-verhandelbaren Tages- und Wochenroutinen plant ihr ein, um Apathie und das GefĂŒhl der Nutzlosigkeit zu bekĂ€mpfen?

    Soziale Erosion:

    Habt ihr vordefinierte Regeln oder Formate (z.B. "Krisen-Meeting"), um Spannungen, Lagerkoller und Konflikte zu moderieren, bevor sie eskalieren?

    Informations-Chaos und Verzweiflung

    Wie regelt ihr den Umgang mit GerĂŒchten und schlechten Nachrichten, um Panik oder Hoffnungslosigkeit zu kontrollieren?

    Verlust der Perspektive

    Welche bewussten Handlungen (z.B. Festhalten an kleinen Traditionen/Feiern, definierte Kleinprojekte) nutzt ihr, um aktiv die Moral und den Blick nach vorne zu stÀrken?


    > Ich suche einen Austausch auf strategischer Ebene, jenseits von "haltet euch beschÀftigt". Freue mich auf eure detaillierten PlÀne.

  • Moin,


    ich glaube dass Resilienz auf individueller Ebene eine der Kernfragen von langfristigem Überleben ist. Resilienz entsteht aber primĂ€r aus Konfrontationen mit Extremsituationen. Die findet man nicht so leicht. NatĂŒrlich sollte man körperlich und seelisch gesund sein, regelmĂ€ĂŸig Sport treiben und so weiter, aber wie man wirklich reagiert findet man nur im Moment heraus.


    Meiner Erfahrung nach ist planen super wichtig, also tagesablauf (wobei es mir egal was zu tun ist, hauptsache etwas ist zu tun). Auch ĂŒbergeordnete Ziele sind wichtig. Ich persönlich bin auch ein Freund von Informationsmanagement, also Fakten bewerten und in den Plan einbeziehen, aber nicht jeden Tratsch fĂŒr voll nehmen. Es werden ja regelmĂ€ĂŸig neue "Superkrisen" von etwaigen "Influencern" auf Youtube angepriesen, die keinerlei Evidenz haben. Jeder hat seinen Fokus, auf was er oder sie sich vorbereitet.


    In einer sozialen Gruppe ist Hierarchie und Struktur wichtig (nicht ich bin der Boss ihr seid nix, sondern eher nach Fachkompetenzen). Und vor allem: Kommunikation. DrĂŒber sprechen. Egal ob nach einem theoretischen Model oder bei nem Bier.

    "All the places I've been and things I've seen

    A million stories that made up a million shattered dreams

    The faces of people I'll never see again

    And I can't seem to find my way home"

    ~Far from home by Five Finger Death Punch

  • Wie so oft ein sehr individuelles Thema.


    Um zu wissen ie man in einer Krise sein wird mĂŒsste man Krisen gelebt haben, aber selbst in einer friedlichen Welt bringen Vorbereitungen den nennenswerten Unterschied zu entscheiden was zu tun ist nach radtionalem VerstĂ€ndnis und den vorhanden Ressourcen nach oder sich von Emotionen leiten lassen, die instinktiv keine Lösung per se suchen, sondern nur ein Überlebensinstinkt des Minimums sind.


    1. Meditieren, in absoluter Ruhe in sich kehren, Emotionen Emotionen sein lassen oder eben nicht - je nach Emotion. Gedanken Gedanken sein lassen oder eben bewusst die Gedanken in eine gewĂŒnschte Richtig lenken. Das braucht Übung, das sollte man in Friedenszeiten auch schon geĂŒbt haben. Stille kann unaushaltbar sein oder eben mit etwas Übung friedlich und angenehm, beinahe erhebend. Das grenzt schon an Beten. Eine Ruhe und einen Einklang mit und in sich selbst finden die sich gut anfĂŒhlt - das dauert manchmal bis absolute Stille ein positives Empfinden vermittelt.


    2. Sport, ganz klar, vorausgesetzt die Nahrung ist vorhanden, man muss ja auch nachkippen was man verbrennt, sonst schadet Sport dem Ofen mehr als es nutzt. Das hilft auch das GefĂŒhl von sich selbst, von seinem Körper und seinen Möglichkeiten zu erhalten. Es sorgt fĂŒr eine gesunde Haltung und entlastet ebenfalls den Verstand.


    3. Lesen und Lernen. Auch dafĂŒr muss man erst eine Faszination entwickeln. Manchmal habe ich ein feindseeliges, gar bekĂ€mpfendes Empfinden, wenn ich eines meiner BĂŒcher zu Lesen wĂ€hle mit etlichen Ausreden "Es ist langweilig, es nĂŒtzt nichts zu wissen wie Kaiser XYZ 5500 n.Ch. gehandelt hat, das ist verstaubtes Wissen, daas hat keine Fantasyinhalte" etc pp Aber dieses Empfinden muss man auch ĂŒbertreten können. Man muss sein inneres Selbst nichtmal ĂŒberzeugen, einfach machen was man sich rational als Produktiv erklĂ€ren kann. Das gilt ĂŒbrigens fĂŒr alle hier von mir genannten Bereiche.


    4. Musik, seine eigene Lieblingsmusik, am besten etwas das man schon seit Jahren hört, denn da hat man ressourcenreiche ZustĂ€nde / GefĂŒhle. Man hat Erinnerungen und GefĂŒhle die nicht der der Krise entsprechen auf die man durch Musik zugreifen kann. Oder eben Musik die das gewĂŒnschte derzeitige Empfinden stĂ€rkt - z.B. aufbauende motivierende, oder brutal nach vorn gehende Metalriffs, oder entspannte WellenklĂ€nge - je nach gewĂŒnschtem Empfinden. Da emĂŒfehle ich immer einen klassischen old school offline MP3 Player mit Batterien, nicht Akku - langlebig. Kannste vertsauen und in 10 Jahren funktioniert der noch.


    Das sind meine Fallbacks fĂŒr die bewusste Steuerung von GefĂŒhlen in Krisen. Denn ich behaupte unsere Gedanken beeinflussen unsere GefĂŒhle und unsere GefĂŒhle beeinflussen unsere Gedanken. So kann man dafĂŒr sorgen, dass man konstruktiv denkt und ein unliebsames Empfinden - ganz typisch in einer Krise, vor allem, wenn man noch keine Krisenszenarien erlebt hat - loswerden, ĂŒberschreiben, ĂŒbertrumpfen, verĂ€ndert und umlenken. Keine große Magie, aber steckt große Magie dahinter.

    Informations-Chaos

    Ignoranz, eine gesunde Ignoranz. Das ist meine Lösung. Nun habe ich den Vorteil, dass ich schon immer irgendwie irgendwo in irgendeinem Mittelpunkt stand, weil ich schon immer irgendwie irgendwas an "Kunst" gemacht habe. Ich bin es gewohnt, dass Menschen gut und auch schlecht ĂŒber mich sprechen. Wenn die Möglichkeit besteht, dann treffe ich diese Personen und sie Ă€ndern ihre Meinung. Diese Erfahrungen haben auch dazu gefĂŒhrt, dass ich z.B: Nachrichtenmeldungen nicht besonders emotional entgegennehme. Mehr so eine Art sachliches, stoisches, "Zur Kenntniss genommen" als reines Wissen ohne emotionale Wertung. Man soll keinen Hund fĂŒttern den man nicht behalten will. Oder um es noch mal metaphorisch zu sagen "Wenn du nach jedem Hund der nach dir bellt einen Stein suchst um ihn nach dem Köter zu werfen, bist du nur damit beschĂ€ftigt Steine zu suchen und kommst nie an deinem Ziel an." Das selbe gilt in allen "Informationschaos" Bereichen - nicht jede Information verdient meine Aufmerksamkeit. Ich merke dass es sich so privat liest :D Aber ich meine damit durchaus Nachrichten und Informationen zur Krise. Man muss nicht jede Info bis zur letzten Quelle nachverfolgen, man muss auch nicht auf jede Info mit einer passenden Emotion reagieren z.K.

    Perspektive

    Das ist wieder individuell und persönlich, wie definiert jemand fĂŒr sich "Perspektive"? Perspektive fĂŒr die Friedensverhandlungen zwischen zwei LĂ€ndern? Perspektive fĂŒr die nĂ€chsten 10 Jahre beruflich? Ich setze mir meine eigenen Perspektiven. "Was möchte ich erleigen wofĂŒr ich die Mittel und Möglichkeiten habe?" Es gibt hier keinen perspektivenverlust, nur Machen und Umsetzen. Eine perspektive dahingehend zu lenken wo viele Externe Faktoren Einfluss haben ist fragil, daher sind meine Perspektiven immer nur jene auf die ich selbst Einfluss habe. Wie z.B. "PreppersGermany entsprechend Konzept umgestalten". Ob nun Besucher hier sind oder nicht, das wird erledigt. Ob wir nun 100.000 Mitglieder haben oder 10. Es wird sowieso erledigt. Tiefenpsychologisch betrachtet ist "Perspektive" und verlust jener stark abhĂ€ngig von den eigenen GlaubenssĂ€tzen, der eigenen IndividualitĂ€t und SpiritualitĂ€t - ĂŒbrigens die schwersten mentalen Bereiche zum Anpassen.


    Äußere UmstĂ€nde kann man mit Preppen anpassen: Umwelt (Wohnung, Haus, SchrĂ€nke, Prepps, AusrĂŒstung), Verhalten (Wie man auf jemanden oder etwas reagiert) und FĂ€higkeiten (Was man kann, was man nicht kann). Wenn jedoch die eigenen Überzeugungen und die eigene IndividualitĂ€t und SpiritualitĂ€t im Weg steht zu einem rationalen, effektiven und effizientem handeln, dann ist die Anpassung zu einem gewĂŒnschten Zustand etwas schwieriger. Robert Dilt's einheitliche Feldtheorie des NLP's - Neurologische Ebenen


    Um das mit Bob Proctors Worten zu sagen der, wenn ich mich Recht entsinne Napoleon Hill, zitiert hat: "Viele handeln von uns unterbewusst, sie tun einfach, einfach weil sie es tun, weil sie es so adaptiert haben und nie hinterfragt haben. Doch wenn was sie tun die effektivste Form des Tun's ist wÀren sie nicht wo sie sind." Denn die meisten sind nicht annÀhernd da wo sie gerne wÀren. Daher gebe ich Recht: Nur Sachen zu haben, ist die halbe Miete.

    Der Unterschied zwischen Panik und klarem Verstand ist die Vorbereitung.

  • ...damit das Thema nicht ganz in der Mottenkiste verschwindet zerr ich das nochmal vor. Aktueller Anlaß bei mir eine altĂ€gliche Situation...


    Gestern klingelt jemand aus der Nachbarschaft - SchlĂŒssel gefunden - ich check den BriefkastenschlĂŒssel - soweit so gut ist zuordenbar. Schon beim Abgeben hatte ich so das GefĂŒhl, der rafft garnicht worum es geht. Heute auf dem Fahrrad guggt der nach Jahren kennen auch durch mich durch, als wenn ich garnicht da bin. Warum mich das triggert - meine Mom hat auch Altersdemenz. FĂŒr mich unertrĂ€glich das dann irgenwann da nur noch ein geistloser Körper ist. Wie wird das bei mir sein, schaffe ich rechtzeitig die Reißleine zu ziehen bis ich nur noch ein StĂŒck Fleisch bin.

    Im Normalfall gehe ich mit der Ratio gegen solche Probleme vor, Höhenangst - okay - auf einen dieser hohen AussichtstĂŒrme rauf die nur so Stahlroste etc haben. Damit konnte ich die Höhenangst bei mir reduzieren.

    Depressionen - auch hier hilft mir die eigene Ratio zumindest begrenzt aus dem Strudel herauszuschwimmen.


    Aber wenn in einer Ausnahmesitution es wirklich zu viel wird, was mache ich dann wenn die rettende Hand nicht gerade greifbar ist. Und es können sich da ja wiklich Problemchen potenzieren. Also ist mein Nachbar wirklich eine gute Möglichkeit gegen die Kettenraktion anzugehen.


    Ua Musik-Playlisten nochmal checken - was hier wirklich hilft sich wieder zu focusieren. Meditation ist jetzt nicht so mein Ding wenn die Synapsen gerade ĂŒberkochen. Hier ist ganz wichtig zu erkennen was hilft mir persönlich. Kein stumpfes Abrufen von Techniken, die man evtl garnicht beherrscht. Leider will immer alles geĂŒbt sein.


    Wiederkehrende Routinen können auch gut funktionieren zumindest nicht komplett aus dem Ruder zu geraten...

    Ansonsten brauch ich ja nicht das 7 SĂ€ulen-Prinzip und meine Vorredner/-schreiber wiederholen.

    Aber wie immer kann es ja neue Impulse geben...

    Si vis pacem - para pacem

  • Ich habe den Themenstrang anfĂ€nglich nicht ernst genommen bzw. nichts mit ihm anfangen können.

    Mittlerweile kann ich mich aber rein denken und merke wie wichtig das Thema ist. Hoffe tlich gibt's hier noch mehr zu lesen diesbezĂŒglich.


    Eine SĂ€ule ist Musik und allein das finde ich schon sehr sinnvoll.

    Mein "Zwischen-Learning" also: Musik im Blackout Fall sicherstellen. Klingt immer noch trivial aber ist echt sinnvoll.

    Danke fĂŒr diesen neuen Blickwinkel, Leute!

    "Wer es nicht schafft sich vorzubereiten, ist darauf vorbereitet es nicht zu schaffen!"

  • FĂŒr mich unertrĂ€glich das dann irgenwann da nur noch ein geistloser Körper ist. Wie wird das bei mir sein, schaffe ich rechtzeitig die Reißleine zu ziehen bis ich nur noch ein StĂŒck Fleisch bin.

    Zum GlĂŒck kann man Demenz etwas vorbeugen. Ich bin kein Experte, daher verlinke ich mal was die Deutsche Alzheimer Gesellschaft zum Thema VORBEUGUNG / PrĂ€vention zu sagen hat. Ist ganz gut zu lesen. Meiner Meinung nach sind regelmĂ€ĂŸige soziale Kontakte und das erlernen neuer Dinge, Dinge anders machen und das Gehirn fordern, etwas womit man - neben guter Gesundheit und entsprechendem Lebensstil - ganz gut gegensteuern oder halt vorbeugen kann.


    [Anmerkung: Ich könnte mir denken, dass soziale Kontakte im echten Leben wahrscheinlich besser hierfĂŒr geeignet sind, als soziale Medien.]

    Einmal editiert, zuletzt von SilverXII ()

  • fĂŒr psychische StabilitĂ€t ist Lithium super wichtig


    hab ich vor kurzem von einem gehört, der hier unterwegs ist in der Gegend mit fast nix und nem klassischen schönen MTB (nööö, kein IHHHHBaikkkk)


    wers mal testen will:

    nen Kasten Hirschquelle kaufen und eine Woche lang tÀglich eine Flasche trinken.............................................................