Geschlossene Brüche schienen und heilen ohne Arzt

  • Moin,


    ich schmeiss da mal eine Geschichte auf den Markt und würde gerne Eure Gedanken dazu wissen:


    Ich habe mir mal in einer gut aufgeheiterten alkoholisierten Rauferei wohl 'ne Rippe und 'nen Finger gebrochen und bis vor kurzem war ich halt ein Rambo: Zum Arzt gehen war keine Option, das tun nur Frauen, auch in Friendszeiten, weil verheilt ja. Oder "hab' ich so bei Preppern gelesen"!


    Aber Arschlecken, verheilt garnichts - Spoiler. Also so wie ich bin, denke ich mir so, was würden Ärzte machen bei gebrochener Rippe? Ja, garnichts, Ruhe verschreiben und ruhiglegen, mehr können die auch nicht machen. Also entschied ich, dass ich dafür keinen Arzt brauche. Ich kann mich ja selbst Ruhiglegen für 1-2 Wochen (Spoiler: Rippenbruchheilung dauert mehrere Monate) (Spoiler 2: Wenn man es verkackt, dauert es mehrere Jahre).


    Dann war noch der Finger gebrochen, das ist ja eine Kleinigkeit für einen Prepper, ne? Wir sind ja nicht aus Zucker! Anders als das Eis das ich mir am Stiel geholt habe. Ein paar Eise am nächsten Tag verfuttert (half auch beim Kühlen) und aus etwas Autoverbandskasten und Eisstiele eine Schiene für den Finger McGuyvert, etwas Heilsable drauf und gut ist es. Ist doch ein Klacks, eine Leichtigkeit, hab' ich beim Fritz Meinecke gesehen, ich bin bereit für 7versusWild sogar ohne Ärzte! (Spoiler: Bin ich nicht)


    Alles in allem lief alles schief (wie die Heilung des Fingerbruchs) was hätte schief laufen können. Knapp zwei Jahre später habe ich fast tägliche Schmerzen im Bereich des Rippenbruchs. Auch wenn es merkbar weniger von Jahr zu Jahr wird und inzwischen kaum noch merkbar. Durch eine andere Gegebenheit kam es sogar mal zu einem Röntgenbild und es wurdebestätigt, es war ein Bruch und die Rippe ist nicht ganz soooo passabel verheilt. Also schon okay, im Weltuntergang hätte es gereicht, aber hey, die Krankenhäuser haben ja 24 Stunden geöffnet, es hätte deutlich besser verheilen können - mit Arzt. Der Finger ist auch im Arsch und das vorderste Gelenk streckt den Finger nicht mehr vollständig aus. Immerhin schmerzfrei und das Eis hat geschmeckt (musste die Schiene mehrfach wechseln über mehrere Wochen, das war ordentlich was an Eis verfuttert). Mit Arzt wäre es vermutlich eine reibungslose Heilung ohne Spuren hinterlassen zu haben.


    Grundsätzlich gilt, solange es Ärzte gibt, geht bitte hin, anstatt alles selbst in die Hand zu nehmen.


    Also ich hätte mit meinen Fähigkeiten und meinem Wissen wohl überlebt, die selben Brüche könnte man sich im SHTF zuziehen beim Handwerken oder bei einem Sturz, ich wäre also nicht gestorben. Dennoch ist es vollkommen unnötig sich in Friendszeiten etwas beweisen zu müssen. Die Zivilisation hat Medizinisches Wissen hervorgebracht, dass Menschen mit solchen Brüchen nicht nur überleben, sondern Einschränkungslos weiterleben lassen kann.



    Habt ihr Erfahrung mit Brüchen? Wie wurden sie behandelt?

    Traut Ihr Euch zu eine bessere Schiene zu bauen die auch ihren Zweck erfüllt?

    Habt ihr Euch Gedanken gemacht wie ihr sowas behandeln würdet bei Euch oder bei anderen?


    Ich bin interessiert.


    Der Unterschied zwischen Panik und klarem Verstand ist die Vorbereitung.

  • Also zunächst einmal: ich bin medizinischer Laie und mir dessen auch bewusst.

    So richtig Erfahrung mit Brüchen habe ich nicht. Hab mir in der Kindheit nacheinander beide Arme gebrochen. (kaum war der eine verheilt brach ich mir den anderern). Die wurden natürlich "in Funktionsstellung" eingegipst.

    Mehr kann und will ich dazu nicht sagen.


    In einer Extremsituation ohne ärztliche Versorgung würde ich es wahrscheinlich auch nicht besser hinbekommen als Du!


    Was ich auf jedenfall unterstreichen möchte, wie Du schon geschrieben hast, geht zum Medizinmann (oder zur Medizinfrau) und spielt nicht den Helden. Bringt nichts.

  • Da ist mir noch was eingefallen.

    Vor etwa eineinhalb Jahren hat sich ein guter Freund von mir auch einen Finger gebrochen.
    Er hat zwar keine Schmerzen mehr, aber die Beweglichkeit ist immer noch stark eingeschränkt und wird es wohl auch bleiben.


    Soetwas kann also auch bei guter medizinischer Versorgung und den entsprechenden Nachsorgemaßnahmen durchaus vorkommen und muss nicht zwangsläufig auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen sein.

  • Soetwas kann also auch bei guter medizinischer Versorgung und den entsprechenden Nachsorgemaßnahmen durchaus vorkommen und muss nicht zwangsläufig auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen sein.

    Also an sich, ich bin da rangegangen ohne Erfahrung. So nach dem Motto "Ich weiss doch, ist logisch, stabilisieren mit paar Stöcken, was drumherumbinden und dann wird's schon." und das wurde es ja auch. Genau so wie man es sich vorstellt, genau so funktioniert es in dem Beispiel. Etwas festes drumherum (Ich habe nun Eisstiele genommen für den Finger, oben und unten zur Formgebung), das die gerade Form sichert und dann ordenlich festbinden, bisschen Mullbinde drumherum und dann noch mit etwas Muskelcreme um den Schmerz zu dämpfen.


    Der Finger lässt sich schon hinbiegen wie "normal", aber nicht von sich aus, nur mit externer Kraft. Vermutlich eine Sehne erschwacht oder so, lag ja nun doch ein paar Wochen ruhig. Ist keine Einschränkung im Alltag, sieht nur doof aus, wenn ich mir die Fingernägel lackiere und alle Finger gerade mache zum Betrachten ^^?(

    Der Unterschied zwischen Panik und klarem Verstand ist die Vorbereitung.

  • Der Grund warum die meisten Brüche stabilisiert und immobilisiert werden liegt auf der Hand. Der Knochen heilt besser und gerader wieder zusammen.

    Was bei dem Beispiel

    Von Konz passiert ist: wahrscheinlich war der Finger komplizierter gebrochen als angenommen (hätte ein einfaches Röntgenbild gezeigt) und nun ist der Finger „ungut“ zusammengewachsen.


    Rippenbrüche sind noch nerviger.

    1. sollte jeder Verdacht auf einen Rippenbruch untersucht werden und per Röntgen ausgeschlossen werden das sich die Rippe Richtung Lunge bewegt hat.

    2. heilt eine Rippe deutlich langsamer weil man Rippen nicht stillstehen und/oder gipsen kann. Rippen gehören zu unserem Atemsystem und wenn man nicht 8 Monate die Luft anhalten kann muss man sich anderweitig gedulden.


    Merke: solange man kann, zum Arzt gehen. Wenn alles den Bach runter geht, hoffen das alles irgendwie zusammen wächst und das die Rippen da sind wo sie hingehören (sind sie das nicht erledigt sich das Atmen ziemlich zügig [Pneumothorax etc.])


    Grüße vom Ben

    • Offizieller Beitrag

    War eine Erfahrung wert, hätte ich aber auch d'rauf verzichten können. Dennoch weiss nun, dass solche Brüche deutlich länger brauchen zum Heilen als angenommen. Durch die Schwellung ist eine Stabilisierung auch noch umsokomplizierter. Anfangs habe ich den Verband auch extrem doll angelegt, also super fest. Beim Abnehmen des Verbandes(mit Stabilsierungseisstiel) pocht alles, tut weh und schwillt direkt noch mehr an, als wäre der Blutfluss unterbrorichen gewesen.


    Wäre es ratsam gewesen den verband/die Stabilisierung eher etwas locker anzulegen?

    Der Unterschied zwischen Panik und klarem Verstand ist die Vorbereitung.

  • Wäre es ratsam gewesen den verband/die Stabilisierung eher etwas locker anzulegen?

    Klingt so. Ziel ist ja das Körperteil ruhig zu stellen so das es wirklich wochenlang ruhig ist. N Gips ist ja auch 6-8 Wochen drauf.