Notfall Wundversorgung

  • Ich kann die vorgetragenen Argumente gegen Antibiotika zwar verstehen, habe aber trotzdem einen kurzen konträren Impuls, weil man sich der Frage etwas differenzierter nähern kann.


    Bei einer infizierten traumatischen Wunde stellt sich praktisch nicht zuerst die Frage „Virus oder Bakterium (oder Protozoe)“. Eiternde Wundinfektionen werden deutlich überwiegend durch Bakterien verursacht. Deshalb beginnt man bei einer schweren Wundinfektion oder drohenden Sepsis regelmäßig eine kalkulierte antibiotische Therapie, bevor der genaue Erreger bekannt ist, was auch nich ad hoc der Fall ist. Die Auswahl richtet sich nach Wundart, Verletzungsmechanismus, Verschmutzung, Exposition gegenüber Erde oder Wasser, Begleiterkrankungen und den wahrscheinlichsten Erregern. Ein Erregernachweis dient dann anschließend dazu, die Therapie gezielt anzupassen, ist aber keine Voraussetzung dafür, dass Antibiotika grundsätzlich wirken können.


    Eine vorbeugende Antibiotikagabe ist bei einfachen, gut gereinigten Wunden regelmäßig weder erforderlich noch sinnvoll. Anders ist es eben bei stark verschmutzten oder tiefen Wunden, Bissverletzungen, offenen Frakturen, ausgedehnten Quetschungen, abgestorbenem Gewebe oder erheblich verzögerter Versorgung.


    Kurzum: In einer „remote situation“ sehe ich die blinde Gabe eines Breitspektrum-Antibiotikums bei schwierigen Wunden oder dem Vorliegen von Entzündungszeichen ( zusätzlich zur Wundversorgung) äußerst entspannt. Die Nutzen-Risiko-Abwägung ist in dieser Situation klar pro Antibiotikum. Andersrum gesagt: Die unbehandelte Wundinfektion birgt das Risiko einer Sepsis, die wiederum unbehandelt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit tödlich ausgehen wird. Die Nebenwirkungen des Antibiotikums sind in dieser Relation überschaubar.

    Esse quam videri.

    ➡️🕑🐻💪💪

  • Das Problem für Otto Normalmenschen ist es, Breitband Antibiotika o.A. für den Notfall verfügbar zu haben, weil man nicht ran kommt...

    Mein Tipp....


    ...mit dem Hausarzt sprechen. Wenn du zB. eine längere Trecking-Reise in eine Region mit schlechter medizinischer Infrastruktur, wo die nächste Klinik Tage entfernt ist, unnehmen wirst. ZB. in die Amazonas Region, Sub Sahara, Indien, Himalaya. Wenn du die notwendigen Impfungen, die der ARtzt dir dann anraten wird, mitgehst, dann verschreibt er dir sehr sehr sicher auch ein Breitband-Antibiotikum für deine Reise Apotheke.


    In meinem Fall ist es so, das wir eine sehr angenehme und lockere Kinderärztin haben, die uns auch für 4 Wochen Bush-Craft Camping in Schweden so gut wie alles verschreibt was mir gern hätten. Antibiotika für die Kinder sowieso, weil ihr klar ist, dass es besser ist, wenn man in der Pampa sehr schnell selbst reagieren kann, als hektisch werden zu müssen und ein unnötiges Risiko eingehen muss, wenn man zB. Nachts mit ner vierjährigen mit dem Kajak zum Auto fahren und dann ne Stunde zum Sjukhus fahren muss, wo mann dann genau das selbe verschrieben bekommt, was sie uns so mitgibt.

    Sie ist auch sehr easy was Impfungen, auch für erwachsene Familienmitglieder angeht. Völlig unkompliziert. Auch was Medikamente für meine Lebensgefährtin und die erwachsenen Kinder betrifft.


    EInfach mal schauen wo ihr einen entsprechend offenen Mediziner findet....google hilft glaube ich.

                                                                            Si VIS PACEM PARA BELLUM

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  • Also die neue Hausärztin meiner Wahl rollt schon mit den Augen wenn ich nach Wunsch-Antibiotikum frage. Stärkere Cortison-Salbe bekommt sie selber schon ein Durchblutungs-Schub. Wenn meine Lippen schon Oxi formen wollen kriegt sie erst recht Schnappatmung. Gut dann halt nur Tilidin oder Tramadol...

  • Da muss man aber schon wirklich spezielle Ärzte haben.


    Indikationsloses Verordnen von Antibiotika ist aufgrund der Resistenzlage der Bakterien nicht sinnvoll und Indikationsloses Verordnen von Opiaten unter Umständen nach BTM Gesetz strafbar. Tillidin und Tramdol sind auch schon spannend aufgrund des doch erheblichen Nebenwirkungsprofils, auch wenn nur in manchen Formulierungen BTM Rezeptpflichtig. Selbst als Prepper sehe ich da wenig Sinn solche Medikamente zu bevorraten.


    Allein schon die kalkulierte Wahl des richtigen Antibiotikums zu den möglichen Erregerstämmen und das Entscheiden für einen Therapiebeginn ist auch für belesene Laien nicht geboten, wenn keine speziellen Situationen vorliegen. (z.B. Krebskrank unter Chemo mit Bedarfsantibiotikum in der Dauermedikation).


    Rein rechtlich ist man beim Verordnen oder weiterreichen eines Medikamentes als Laie für einen andere Laien (z.B. Nimm mal dieses Antibiotikum) u.U. im strafrechtlich relevanten Bereich und haftet u.U. für Schäden des Anderen.

  • Ich bin immer froh, wenn ein guter Deutscher ums Eck kommt und seine Mitmenschen (in Deutschland Mitbürger) auf die Regeln verweisst und auf deren STRIKTE Einhaltung pocht. ALLES muss seine Ordnung haben und wurde achthundet Mal aufgeschrieben. Könnt ihr nachlesen...


    Es geht hier um Prepping, sich für Ausnahmefälle vorbereiten. Du kannst auch erklären, dass es nicht erlaubt ist mehr als 200 Liter Treibstoff zu lagern. Du hast Recht, weil du dich an eine Verwaltungsvorschrifgt hälst. Wird aber keinen Prepper interessieren.

                                                                            Si VIS PACEM PARA BELLUM

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  • Ist ja nicht nur die Gesetzeslage. Antibiotika sind ja auch fachlich ein sehr komplexes Thema. Welches Substanzen soll man mitnehmen und vorhalten? Welche erreger will man abdecken?

    Gram pos.? Methicillinresistenz?

    Intrazelluläre Erreger?

    Gram neg? Anaerobier? Pseudomonaswirksam?

    HWZ? Orale Bioverfügbarkeit? Nebenwirkungen? Das kann man nicht alles in der Hausapotheke vereinen.

    Je breiter ein Antibiotikum wirkt, umso schlechter ist es wirksam. Manche töten die Erreger, manche hemmen nur das wachstum. Wann entscheidet man, dass es nicht die richtige Substanz ist und man ein Präparatwechsel macht?

  • Ist dieses Video schom bekannt?


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  • ...oft geht es nur darum Zeit zu gewinnen. Sonst kann man getrost auch den TQ aus dem IFAK nehmen, denn mit einem Schmerzmittel der 2. Stufe kriegt man die auftretenden Schmerzen nicht unter Kontrolle. IBU's aus der 1.Stufe sind da ohnehin obsolet.

    Antibiotikumgabe im Notfall sehe ich auch sehr kritisch, verschreibungspflichtige Medikamente sehe ich in erster Linie nur als Eigenbedarf. Und auch nur weil ich auf 30 Jahre Erfahrung zurückgreife. Ohne Teststreifen oder geeigneter Ausrüstung Antibiotikum zu verabreichen ist immer grob fahrlässig. Ich bin da ganz bei dir und sehe mich da auch nicht als Hobby-Doc.


    Sorry wenn hier ein falscher Eindruck entstanden ist weil ich für die Hausapo exotische Medis aufführte...

  • Hab mal am Stammtisch drauf reagiert, damit Kons hier nicht so viel zum aufwischen hat nachher....

                                                                            Si VIS PACEM PARA BELLUM