Einleitung:
In unserer Umfrage [1] geben 61% der Teilnehmenden an, einen Blackout für realistisch zu halten (N=18 Teilnehmende). Sowohl das Ereignis auf der iberischen Halbinsel letzen Jahres, als auch die Stromausfälle in Berlin zeigen ja, dass das Stromnetz angreifbar und verletzlich ist und auch hier in Deutschland ein solches Szenario grundsätzlich realistisch ist. Ich möchte euch hier eine Übersicht darüber geben, welche Kriterien und Dimensionen einen Blackout ausmachen bzw. wie sich dieser zu normalen Stromausfällen und Brownouts abgrenzt. Ich möchte hier nicht die anderen Threads zu dem Thema ersetzen, sondern mich primär auf die Definition fokussieren. Ich werde nicht explizit jede Definition nennen und vergleich, sondern einen Überblick mit Nachschlagmöglichkeiten bieten.
Definitionsmöglichkeiten:
Ich möchte hier primär die Definition von Herbert Saurugg (Blackoutexperte) verwenden, der sich dem Thema wissenschaftlich genährt hat und sich tagesaktuell mit diesem Thema befasst und dazu berät. Seine sehr lesenswerte Website [2] enthält eigentlich alle Informationen und Studien, die relevant sind für das Thema bzw. auch die Vorbereitung auf so ein Szenario.
Kriterium 1: Dauer
Das erste Kriterium ist die zeitliche Ausdehnung eines Ereignisses. Es werden hier Mindestdauern von 12 bzw. 16 Stunden in Erwägung gezogen, die das Ereignis anhalten muss. Frühere Ansätze (so 2000er Jahre) sprachen auch von 2 Stunden, allerdings sind sich die meisten Quellen mittlerweile im o.g. Zeitfenster einig.
Kriterium 2: Ausdehnung
Hier wird es nun interessant. Die Frage nach der Messung von Ausdehnung erfolgt entweder nach betroffenen Haushalten oder nach Ausdehnung in Fläche (also Kreisweit, Landesweit, Bundesweit, Europaweit), wobei beide Arten der Messung sich ähneln. Die "geringste" Definition startet bei mehrere Bundesländer (Deutschlands), wobei Herbert Saurugg sogar noch weiter geht und "mindestens mehrere Staaten bzw. größere Staatsgebiete" [3] als Ausdehnung für einen Blackout nennt. Essentiell wichtig ist, dass die Herausforderung darin besteht, dass keine Hilfe von außerhalb zu erwarten ist, da diese ebenfalls betroffen ist.
Kriterium 3: Stromnetz
Wo bei einem normalen Stromausfall ein Gebiet keinen Strom mehr hat, ist bei einem Blackout das gesamte (europäische) Stromnetz betroffen. Eine Störung, die Ausmaße der Ausdehnung nach Kriterium zwei erfüllt, ist wahrscheinlich nicht auf ein kaputtes Kabel durch Bagger zurückzuführen. Somit sind hier das Übertragungsnetz und die Erzeugung betroffen bzw. nicht mehr funktional, wohingegen bei einem Stromausfall das Verteilernetz (Kabel kaputt, Strommast kaputt) betroffen ist, aber die anderen Bereiche funktionieren.
Kriterium 4: Infrastrukturausfall
Auch wenn sich aus dem Wegfall der Stromversorgung klar kristallisiert, dass offensichtlich auch die (stromabhängige) Infrastruktur betroffen ist, führe ich das hier nochmal gesondert auf. Die akuten Probleme eines Blackout bestehen eben darin, dass die Bereiche wie Transport und Logistik, Lebensmittelversorgung, Trinkwasserversorgung und Trinkwasseraufbereitung etc. nicht mehr funktionieren oder eingeschränkt sind.
Die gesamte Defintion von Herbert Saurugg würde somit lauten: "Der Blackout ist ein plötzlicher überregionaler, zumindest mehrere Staaten oder größere Staatsgebiete umfassender und länger andauernder (> 12 Stunden) Strom-, Infrastruktur- sowie Versorgungsausfall verstanden. Eine Hilfe von außerhalb ist nicht zu erwarten." [Herbert Saurugg, 2025]
Folgen
Die Folgen eines solchen Ereignisses wurden 2010/2011 erforscht, die Studie zur Technikfolgenabschätzung eines länger anhaltenden und großflächigen Stromausfalls zeigt unter anderem die Auswirkungen auf die Sektoren nach Zeit auf [4] und ist eine Betrachtung wert. Hierbei solltet ihr beachten, dass sich natürlich in den letzen 15 Jahren einiges getan hat, weswegen einige Annahmen oder Aussagen heute anders sind.
Fazit
Für uns ist es wichtig klar zu differenzieren wovon wir sprechen. Ein Stromausfall (der ja auch hundertausende betreffen kann) ist (regional) auch kein Zuckerschlecken, aber halt kein Blackout. Die Krisenvorbereitung ähnelt sich ja sowieso. Außerdem ist es ja schwer an Informationen zu kommen bzw. die Lage korrekt einzuschätzen, wenn bei mir der Strom ausgeht. Wie lange das dauert bzw. wie großflächig der Stromausfall ist und wie sich dieser entwickelt lässt sich ja nur schwer abschätzen. Ich würde euch daher empfehlen eine "Checkliste Stromausfall" o.Ä. anzulegen, nach der ihr im Ereignissfall arbeiten könnt. Ich hab mal ein Beispiel als Bild hochgeladen (wobei dieses natürlich auch erweitert, verändert oder selbst gemacht werden kann).
MFG MeerMann