H5N1- ein neuer Pandemiekandidat ?

  • Oh Shit, das sind ja mal keine kleineren Fälle. Eventuell beim Überfliegen irgendwo ein Ground Zero dafür vorhanden, die ziehen ja in den Süden grad'. Aber wie immer, Maßnahmen werden entsprechend den Möglichkeiten ergriffen.

    Die Gefahr ist eben, dass durch mehr Fälle (bei Tieren), auch die Zahl von infizierten Menschen (siehe USA) steigen wird, was das Risiko einer Mensch zu Mensch übertragbarkeit (siehe CDC Studie) erhöht und uns in eine Pandemie bringen könnte. Letzendlich gilt wie immer abwarten und angemessen vorbereiten.

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    ~Far from home by Five Finger Death Punch

  • Das denke ich auch. Vorsichtig sein, keinesfalls verendete Tiere anfassen, und dies melden.

    Zur Zeit sind die Zahlen bei uns ja nur etwas höher als sonst...

    Richtig. Wenn alle Menschen vorsichtig wären, hätten Infektionskrankheiten keine Chance.

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  • Das Thema zieht sich ja nun seeehr lange hin, glücklicherweise, heisst ja, dass die Maßnahmen die ergriffen werden effektiv sind, aber scheinbar nicht effektiv genug für eine vollständige unterbindung von H5N1 / Vogelgrippe.


    [...] Seit 2022 grassiert die größte bislang dokumentierte Vogelgrippewelle, die sich über mehrere Erdteile erstreckt. Dabei geht es um das hochpathogene – also besonders krankheitserregende – H5N1-Virus. Es befällt vor allem Vögel, wurde aber auch bei mehreren Säugetieren nachgewiesen. Derzeit ist unter anderem Deutschland besonders betroffen. In hiesigen Geflügelhaltungen wurden in den vergangenen Wochen rund 1,5 Millionen Tiere wegen Vogelgrippe-Nachweisen im Stall getötet. [...]

    Das Thema ist immernoch nicht vom Tisch udn der Virus ist wahrlich ein Genie, zu unseren Ungunsten, denn er mutiert:
    https://www.spiegel.de/wissens…13-4b9a-936a-f04e7a431793

    Der Unterschied zwischen Panik und klarem Verstand ist die Vorbereitung.

  • Ja die Gefahr besteht ja bei Viruserkrankungen immer, glaube ich zumindest mit meinem sehr geringen Halbwissen.


    Liest sich auf jeden Fall etwas beunruhigend der Artikel

    Road to success, one step after another

  • Hier ist der aktuelle Bericht des Friedrich Löffler Instituts zur "tierischen Sicht" der Dinge [1], wobei hier Seite 2 (Tabelle zu Risiken) sehr interessant ist. Wir müssen uns also wohl auf weitere Infektion von Tierbeständen einstellen.

    Zur Frage "wird H5N1 zu einer Pandemie führen", ist vieles aktuell noch unklar. Die WHO, das CDC und das RKI hier in Deutschland gehen aktuell von einem geringen Risiko aus [2],

    Üblicherweise folgen Influenza Pandemien einem gewissen "Ablauf":

    1. Ein "neues" (eher dominantes) Influenza Virus breitet sich aus (seit 2022 in den USA im Falle von H5N1)

    2. Das Virus verbreitet sich dauerhaft von Mensch zu Mensch (aktuell nicht der Fall, obwohl Studien davon ausgehen, dass der aktuelle Subtyp nach Resortierung mit saisonaler Influenza dazu in der Lage wäre ((mehr dazu siehe dieser Thread)).

    3. Die Menschliche Bevölkerung ist kaum oder wenig Immun gegen das Virus (die Verbreitung ist tatsächlich aktuell eher unerkannt, da es viele asymptomatische [3] Fälle gibt)


    Das ist soweit der Stand "wie gehabt". Bedenklich ist tatsächlich die massive Infektion von Wildtieren, die schon härter ist als in den Vorjahren. Die Hauptgefahr ist nach wie vor die (asymptomatische / kaum symptomatische) Infektion mit H5N1 (oder Konsorten) und saisonaler Grippe, was zu einem Resortierungsevent führen könnte und damit auch zu einer Pandemie.


    Ich tue mich auch schwer in der Einschätzung, Winter ist halt immer die Risikozeit. Wir werden sehen, was da auf uns zu kommt.

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  • Hier nochmal ein wenig weitergeführt welche Konsequenzen und Auswirkungen dies auf uns Europäer hätte - so ungefähr:


    1. Da das Virus (möge Meermann mich korrigieren in meiner Wortwahl) kaum bis keine Tier zu Mensch und Mensch zu Mensch Infektionen aufweist ist das erstmal kein Pandemie-Problem hinsichtlich Menschlicher Erkrankungen. (Siehe auch voriger Post von MeerMann zur Einschätzung von H5N1 als Pandemiekandidat).


    2. Aber es ist ein potentielles Problem hinsichtlich der Fleischproduktionen und Versorgung der Bürger für die USA. H5N1 senkt die Produktion von Fleischprodukten, eben durch Massentötungen von erkranktem Vieh.


    3. Europa ist, glücklicherweise für uns, eher autark was die Fleischversorgung angeht [1] und weist keine Abhängigkeit von Importen von Fleisch aus der USA auf. Das führt zum Schluss, dass H5N1 für uns vorerst keine Probleme darstellt. Wir sind relativ sicher.


    Aber im Umkehrschluss für die USA, vorausgesetzt die bekommen das Problem nicht in den Griff, bedeutet das, dass sie eventuell Importe aus anderen Ländern in Betracht ziehen müssen um die EIgenversorgung weiterhin gewährleisten zu können.

    Der Unterschied zwischen Panik und klarem Verstand ist die Vorbereitung.

  • Nichts ist so dynamisch wie die Lage...

    Das "European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) also das "Gesundheitsamt / RKI / WHO" von Europa hat soeben eine "Pre Pandemische Vorwarnstufe / Plan" für die Vogelgrippe ausgerufen [1]. Erklärtes Ziel ist es, eine Ausbreitung in Form von Mensch zu Mensch Übertragung zu stoppen und eine Pandemie zu verhindern. Die auch hier diskutierten Entwicklungen lösen Besorgnis (vgl. ECDC, 2025, Seite 8) aus, was nun zu diesem Schritt geführt hat.


    Was genau wird empfohlen ?

    -Ein großer Teil ist die Risikoreduktion in der Geflügelhaltung / Landwirtschaft sowie in der Arbeit mit verendeten Wildvögeln (ECDC, 2025, Seite 18)

    -Verschiedene Ausbruchszenarien werden thematisiert, um daraus Überwachungsmöglichkeiten abzuleiten und zu empfehlen (ECDC, 2025, Seite 23)

    -Im Rahmen der Überwachung liegt ein großer Fokus auf infizierten Menschen, da diese ein hohes Risiko für eine Mensch zu Mensch Übertragung darstellen (Reassortment Event o.Ä.) (vgl. ECDC, 2025, Seite 25. Aber auch der bloße Verdacht auf menschliche Fälle löst bereits Reaktionen aus.

    -Ausrufen der nationalen Alarmstufen für Influenza Pandemien (nach angemessenen Level) in den Mitgliedsstaaten (vgl. ECDC, 2025, Seite 27)

    und vieles mehr.


    Da wir hier ja Praktiker sind, der aktuelle Stand der Evidenz zu Schutzausrüstung für den Kontakt mit tierischen Infektionsquellen (Mensch zu Mensch ist aktuell nicht bewiesen, daher erstmal nur soweit):

    Schutzausrüstung bei Kontakt mit infektiösen Tieren / Tierexkrementen (nicht "Mensch zu Mensch")

    -Schutzbrille

    -FFP2 Maske

    -Nitrilhandschuhe o.Ä.

    -CE Typ 5 oder 6 Overall

    -Gummistiefel

    (ECDC, 2025, Seite 18)



    Was bedeutet das jetzt ?

    Erstmal sind die Mitgliedsstaaten aufgefordert zu handeln. Wie bei allem in der EU, obliegt es dem Gutdünken der jeweiligen Staaten. Hier in Deutschland ist die Lage aktuell ja schwierig (heute wurden bereits auch tote Katzen positiv auf das H5N1 Virus getestet, was natürlich nochmal näher am Menschen ist als der durschnittliche Kranich / außerdem ist interspezies Infektion auch immer schlecht [2]).

    Dazu kommt, dass heute die Grippesaison startet und zur Überraschung die "Subklade K2" des allseits bekannten H3N2 (saisonaler Virus) in Petto hat. Leider funktionieren mutmaßlich die Grippeschutzimpfungen nicht gut gegen diese Subklade [3]. Der Aufmerksame Leser von "MeerManns Vogelgrippen Update - die Show" wird sich erinnern, dass eben der Genaustausch (Reassortment Event) von handelsüblicher Grippe und H5N1 ein Weg ist, die Mensch zu Mensch Übertragbarkeit zu ermöglichen.

    Wir werden sehen was das RKI machen wird, die sind eigentlich was Monitoring und Maßnahmen angeht recht zuverlässig und entspannt, im Vergleich zu anderen Staaten. Dieser Winter wird aus mehreren Gründen sehr interessant, da neben der Vogelgrippengeschichte, ja auch diverse andere Themen diskutiert werden.


    Was sollte ich jetzt tun ?

    Ich errinere hier an meinen Thread von vor genau! 364 Tagen (morgen ein Jahr her), wo es nochmal en detail alles zu Influenza und Vorbereitung gibt (sollte sich das was relevantes ändern Update ich den Thread). Für faule Lesende hier nochmal das tl;dr des ECDC Berichtes [4]

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