Schwere Kost: Wie Prepping heute ein Leben gerettet hat.

  • Achtung, Triggerwarnung: Post enthält Text zum Thema Suizidgedanken und Selbstverletzung


    Okay, der Titel war ganz minimal übertrieben, aber ich wusste nicht wirklich, wie ich es anders betiteln.. ist auch egal. Ich schreibe diesen Post zum einen, weil ich alles noch verarbeite und das mir grad gut tut. Aber vor allem auch, weil mir das, was heute Morgen vorgefallen ist, bewiesen hat, wie lebensrettend es ist, wenn man eben als Prepper vorbereitet ist. Wenn dann doch auf einmal der Ernstfall eintritt, lacht keiner mehr über einen Prepper.


    Aber der Reihe nach, was ist passiert? (Wall of Text coming)

    Ich habe direkt neben meiner Wohnung, Schlafzimmer an Schlafzimmer, seit rund zwei Jahren eine neue, ganz liebe, junge Nachbarin. Wir haben uns direkt gut verstanden und auch Whatsapp ausgetauscht, schreiben sporadisch immer mal ein wenig. Vor allem ist das aber immer super, wenn im Haus mal was ist oder einer von uns etwas braucht. So auch gestern - ich war früh müde, bin kurz vor 10 ins Bett. Da lief bei ihr noch laut bummernde Musik. Also schrieb ich ihr nur kurz per Whatsapp und nach umgehender, lieber Antwort, war die Musik leiser. Sie erzählte dann noch, dass sie und eine Freundin sowieso gleich weg seien, feiern gehen. Ich also eingeschlafen.


    Bin dann leider, wie häufig, gegen kurz nach vier wach geworden und hörte dann aber auch recht schnell von drüben etwas Lärm - nahm an, dass das meine Nachbarin ist, die vom Feiern heimkehrte (war auch so). Hab mir dann mein Tablet geschnappt und im Dämmerzustand angefangen, ein Video zu schauen, als ich auf einmal etwas von drüben war nahm, was wie weinen klang. Nun weiß ich von meiner Nachbarin, dass sie im Moment auch psychisch sehr angespannt ist, es ihr schon mal nicht so gut geht. Ich dachte also, ihr Typ hat vielleicht mal wieder Schluss gemacht oder irgendwas anders, und sie weint im Bett. Bin vorsorglich schon mal aufgestanden und hab etwas näher an der Wand gelauscht, um zu entscheiden, ob ich sie in Ruhe lasse oder anschreibe. In dem Moment höre ich im ganzen Haus ein markerfüllendes Grunzen und Stöhnen, daraufhin einen gellenden Schrei "Ich kann das alles nicht mehr, ich hab keine Kraft mehr, ich bring’ mich jetzt um!".


    Weil ich so einen heftigen Aussetzer von meiner Nachbarin gar nicht kenne, war mir der Ernst sofort bewusst und noch während ich mit einer Hand in die Jogginghose schlüpfte, schrieb ich ihr mit der anderen Hand eine Whatsappnachricht, dass sie nicht alleine ist und entweder auf einen Tee rüberkommen oder die Tür aufmachen solle. Von ihr kam dann zuerst nur "Schon gut, da muss ich alleine durch" - das ließ ich aber nicht gelten und wurde energischer. Dann schrieb sie auf einmal zurück "geht nicht um mich, ruf einen rtw, freundin ist hier, hat sich alles aufgeschnitten, versucht sich umzubringen, hilfe!!!! komm!"


    Und da kommt eben jetzt Prepping und (vor allem nicht nur ausrüstungstechnisch, sondern mental!) vorbereitet sein ins Spiel. Wie von der Tarantel gestochen, geistesgegenwärtig rannte ins Schlafzimmer zurück, hinter die Tür und zu meinem BOB, der außen einen voll ausgestatteten IFAK mit Klett angehängt hat. Mit einem Ruck einen halben mobilen Notfallsanitäter in der Hand. Ich mit dem Ding in der Hand in den Hausflur und rüber zur Nachbarin, die völlig apathisch, weinend, zitternd und schluchzend in der Tür stand und mit dem Notruf sprach. Ich also durch, an ihr vorbei und da lag ihre Freundin, in der Küche in einer Blutlache neben dem Kühlschrank. Schreiend und tobend, ein Tomatenmesser in der Hand und einer riesigen Fleischwunde bis auf den Knochen am rechten Arm. Meine Versuche, ihr schnell das Messer auszureden und sie notdürftig zu verbinden, schlugen natürlich fehl. Also hab ich mich auf sie gestürzt, ihr gut zugeredet, sie umklammert, die Messerhand fixiert und ihr das Messer aus der Hand gezwungen, während sie schrie und weiter auf ihren Arm ein einritzte, ein, zweimal auch halbherzig nach mir schwang. Nachdem das dann irgendwann geschafft war und ich das Messer weit weg aus dem Raum schleudern konnte, hab ich mir dann meinen IFAK über den Boden herangezogen und konnte ihr, immer noch in "Zwangs-Umklammerung" unter Geschrei und Drehen und Wenden irgendwie einigermaßen einen einfachen Verband umwickeln - problemlos, weil alles im IFAK da und parat war und ich meine Ausrüstung zig mal in der Hand hatte und regelmäßig geübt habe, wo was genau ist.


    Joa. So viel dazu. Die Story an sich zieht sich noch ordentlich in die Länge und steigert sich auch noch, aber um euch mit einem Roman zu verschonen, in (einer nach meinen Labertaschen-Maßstäben) Kurzfassung:
    Die RTW Besatzung kam recht zackig, haben sie dann notdürftig verbunden, weil sie aber dann wieder aggressiv wurde, direkt die Polizei dazugerufen, die auch schnell da waren. Ich habe dann ein wenig das Feld geräumt, meine völlig aufgelöste Nachbarin erst mal zu mir in die Wohnung herübergeholt und sie getröstet und beruhigt, während die Beamten und Sanitäter versuchten, das Mädel drüben dazu zu überreden, freiwillig mit ins KH zu kommen. Ende vom Lied war, dass die Beamten nicht genügend akute Suizidgefahr erkannten, um einen Richter herzuholen und die Sanitäter auch nicht mehr tun konnten. Also standen wir am Ende alle schweigend im Hausflur und überlegten, was getan werden könne. Der eine Sanitäter schlug dann tatsächlich vor, wir sollten das Mädel doch bei meiner Nachbarin in der Wohnung lassen, er hoffte, wir können auf sie aufpassen, also so richtig, Konstantüberwachung die nächsten Stunden oder Tage (WTF!).
    Kurze Erläuterung am Rande: Zu dem Zeitpunkt war von meiner Nachbarin bereits erklärt worden, dass das Mädel einen Drogenhintergrund hat, mit der kompletten Familie überworfen war (ihr also keiner geholfen hätte) und sie ganz alleine im Süden der Stadt wohnte (und ist auch erst 20).

    Konsequenterweise haben meine Nachbarin und ich aber den völlig bematschten Vorschlag des Sanis dann energisch abgelehnt (aus so vielen Gründen, moralisch, rechtlich, Überforderung, usw.), also standen wir alle betreten und Flur und wussten nicht so recht, was zu tun ist. Irgendwann bin ich dann energisch geworden, hab wohl (recht genau zitiert) gesagt "So geht das jetzt nicht, Feierabend hier. Kinnas jetzt lasst ma Papa durch hier, ich regel das jetzt, ker noch eins! Ich kriege sie dazu, dass sie mit mir und meiner Nachbarin privat freiwillig ins KH fährt." Ich also unter verdutzten Blicken der sichtlich überforderten und untätig rumstehenden Polizisten und Sanitäter in die Wohnung und mich neben das Mädel aufs Sofa gesetzt, ihr sanft zugeredet. Ihr versprochen, dass wir sie zu nichts zwingen und sie beschützen, wenn sie jemand festhalten will, ich sie jederzeit sofort egal wo hin heim fahre, wenn sie sagt, sie will nicht mehr. Natürlich alles kappes, es war klar, dass die aus der Notaufnahme erst mal nicht mehr rauskommt, aber das sagste dem Opfer natürlich in dem Moment nicht. Tut in der Seele weh, aber da lügste, was gelogen werden muss, zum Schutz des Mädels. Zur völligen Überraschung aller klappte das dann auch sofort. Sie willigte meckernd ein und nach etwas Diskussionen um ihr Handy und ihre Tasche, die irgendwo unauffindbar waren, konnte ich sie dann halb unter Zwang und Gemotze und Getobe raus bugsieren.


    Wir drei also dann zum Klinikum zur Notaufnahme gefahren. Dort wurde sie dann aber, bei dem Versuch der Ärztin und Schwester, sich um die Wunde zu kümmern, wieder aggressiv, sodass diese dann auch direkt wieder die Polizei riefen. Das eskalierte dann alles und als die dann ankamen, tickte das Mädel völlig aus, schrie und rannte in der Notaufnahme umher, griff die Beamten an, die sich auf sie werfen mussten, trat und biss nach ihnen und begann, die Notaufnahme auseinander zu nehmen - kann man sich in einer billigen RTL2 Reality Doku nicht besser scripten. Ende vom Lied war, dass meine Nachbarin und ich dann raus sind, um auf ihre Eltern zu warten, die sie inzwischen angerufen hatte. Als die dann ankamen, wurde natürlich erst mal alles nochmal erzählt. Kurze Zeit später kamen die Beamten dann zu uns raus und erzählten, dass das arme Mädel jetzt im Schockraum fixiert werden musste und wohl sowohl beide Beamten gebissen, als auch die Ärztin schwer verletzt und die halbe Notaufnahme auseinandergenommen hatte. Meine Nachbarin ist dann mit ihren Eltern zu sich nach Hause, ich alleine hinterher und daheim haben wir dann noch gemeinsam das ganze Blut aus der Wohnung geputzt, bevor sie mit ihren Eltern nach Hause gefahren ist.



    Der springende Punkt der Geschichte ist, und daher ins Prepper Forum, dass es sehr wohl die unerwarteten Ernstfälle gibt, bei denen man als (vor allem) mental und faktisch ausgerüsteter und vorbereiteter Prepper einfach Leben retten und helfen kann. Das muss nicht immer erst der Atomgau sein, der direkt zum Ende der Menschheit führt, es fängt bei so Kleinigkeiten an. Wer hat denn als Nicht-Prepper normalerweise in der Wohnung einen fertig bereit liegenden, ausgerüsteten Erste Hilfe Kasten? Ich kenne niemanden. Und auch mental muss man auf solch eine, nicht nur auch gefährliche, aber auch überfordernde Situation vorbereitet sein, um so etwas souverän, mit klarem Kopf, stemmen zu können. Das wäre mir alles nicht gelungen, wenn ich mich nicht seit Jahren gedanklich als Prepper auf Krisensituationen und Hilfeleistungen vorbereitet hätte. Und man stelle sich vor, was hätte passieren können, wäre ich nicht als beherzter Nachbar in Sekunden da gewesen. Das Mädel macht weiter und zieht das durch und meine Nachbarin hat dann eine tote Freundin in der Küche liegen. Oder schlimmer noch, das Mädel tickert endgültig aus und greift meine, dann bereits selber psychisch zusammengebrochene, Nachbarin mit dem Messer an und sticht sie ab. Klar, hätte, hätte Fahrradkette. Aber gottseidank war ich eben da und es kam nicht zu irgendeinem hätte hätte. Weil ich vorbereitet war.