Ich bin dann mal so frei.
Wie knapp ist das Gas wirklich ?
Die aktuellen Füllstände sind tagesaktuell einsehbar bei der Bundesnetzagentur [1], Stand jetzt sind die Speicher zu 63% gefüllt (im Vergleich zu 82% letztes Jahr zur selben Zeit). Aktuell und nach wie vor gilt seit dem 1.7.2025 die "Frühwarnstufe" (vorher galt seit 2022 die Alarmstufe), welche die erste von 3 Stufen darstellt [2]. Fakt ist auch, dass die gesetzlich vereinbarte Mindestfüllung erreicht wurde [3]. Aktuell gibt es wenig Grund zu der Annahme, dass es zu einer Gasmangellage kommen wird.
Welche Zahlen spielen hier eine Rolle ?
Zum einen der tagesaktuelle Füllstand in % (Stand heute 63%, siehe Quelle 1). Dieser gibt an wie viel % der Speicher gefüllt sind. Außerdem interessant sind der Gasverbrauch in % (zum Speicher) und die verschiedenen Szenarien [4].
Welche Backups hat die Regierung für diese Situation ?
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(Bildquelle: BBK, 2023, Seite 11)
Diese Graphik gibt einen Überblick über die Maßnahmen, je nach Lage. Eine Übersicht über die konkreten Maßnahmen finden sich im EnWG (Energiewirtschaftsgesetz) oder z.B. in der BBK Handreichung zu Krisenvorsorge im Krankenhaus bei Gasmangellagen (vgl. BBK, 2023, Seite 12). Für eine Übersicht genügt das, der Rest ist zu komplex um den hier einfach so darzustellen.
Wer wäre betroffen?
Je nach Stufe, konkreter Lage etc. kann sich das durchaus unterscheiden. Es gibt grundsätzlich geschützte Verbraucher nach §53a EnWG (mehr oder weniger die kritische Infrastruktur), die auch im Falle einer Mangellage prioritär versorgt würde. Allerdings ist das nicht dogmatisch, je nach Lage kann auch die Versorgung von nicht gennanten Verbrauchern berücksichtigt werden bzw. der Verbrauch von Institutionen nach §53a EnWG gedrosselt werden (vgl. BBK, 2023, Seite 12).
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(Bildquelle: BBK, 2023, Seite 12)
Was wären die kurz- oder langfristigen Auswirkungen ?
Grundsätzlich wird ein Teil des Stroms durch Gas erzeugt (letztes Jahr 16% [5]), wobei erneuerbare Energien mit 56% weiterhin der größte Erzeuger waren. Hier jetzt über "wer kompensiert dann wenn" zu diskutieren macht glaube ich wenig Sinn, Frankreich als einer der Hauptimportnationen für uns gewinnt 69,7% aus Atomkraftwerken, sieht in anderen Ländern ähnlich aus [6], diese Energiearten sind gegen "Kälte" oder "Mangel" erstmal immun. Sollte es nun im Worst aller Worst Cases zu einem Blackout kommen, sind Gaskraftwerke tatsählich einige der wenigen Kraftwerke, die "schwarzstartfähig" (also autark wiederhochfahrbar nach Netzusammenbruch), was für den Wiederaufbau des Netzes sehr wichtig ist (vgl. BBK, 2023, Seite 14). Es ist anzunehmen, dass die Exporte steigen und die Preise für Gas teurer werden, wenn es zu einem Mangel kommt. Wer wie was abschaltet wird man sehen, dass ist pauschal nicht zu beantworten.
Was können wir als reguläre Haushalten tun um Vorkehrungen zu treffen, falls es doch zu knapp wird?
Im Rahmen der privaten Krisenvorsorge sollte der Fokus wahrscheinlich auf alternativen Heizmöglichkeiten liegen (sofern Gasheizung). Wir heizen mit Photovoltaik und füllen mit Fernwärme auf, daher betrifft uns das eher nicht, es macht Sinn zu checken woher man seine Wärme bezieht. Es gibt Strombetriebene Heizgeräte, die sind aber recht teuer in der Unterhaltung und in einem Blackout nutzlos. Es macht also wie immer Sinn verschiedene Dinge zu haben. Die Wahrscheinlichkeit eines Blackout durch eine Gasmangellage ist in der Theorie plausibel und herleitbar, allerdings existieren diverse neue Notfallpläne und kürzlich geänderte Gesetze, damit würde ich also eher nicht rechnen. Haushaltskunden (also du und ich) sind ja ebenfalls nach §53a EnWG geschützt, also wird es erstmal die Industrie etc. treffen. Die Bundesnetzagentur rät dazu grundsätzlich Energie zu sparen [7], was aus diversen Gründen Sinn macht. Fazit ist hier aber, reguläre Haushalte sind gesetzlich geschützt (ein Fakt, den etwaige "Influencer" gerne verschweigen (; ).
Wer es ganz genau wissen will, darf gerne den "Notfallplan Gas" des Ministeriums für Energie und Wirtschaft durchlesen [8], da finden sich noch konkretere Antworten.