Was das Mindset angeht, kann eine Mutter, die einfach nur ihre Kinder retten möchte unvorstellbare Kräfte entwickeln.
Aber sich darauf zu verlassen, dass man verborgene Kräfte hat klingt nach einem Glücksspiel. Außerdem sind diese "verborgenen Kräfte" (also eigentlich nur die Übernahme von Adrenalin über die den Körper um jenen über seine Grenzen zu bringen) nur in absoluten Extremsituationen im Spiel. Vor einem Krieg zu fliehen mit einem Kind im Arm und einem anderen an der Hand ist keine dieser Situationen. Nach 2 Stunden Marsch ist man selbst körperlich erschöpft. Diese "Superkräfte" sind wissenschaftlich erklärbar und erlauben nur kurzzeitiges Überschreiten von Schmerzempfindung und Angst und sowas. Und diese Ausnahmesituationextreme gehen ebenfalls nur soweit wie der Körper kann. Wenn der Körper nicht viel kann, dann wird er auch in einer Ausnahmesituation nur etwas mehr können. Wenn der Körper trainiert ist, wird er in Extremsituationen um einvielfaches mehr können.
Das ändert nichts an dem Fundament mit dem das Adrenalin arbeitet.
Langanhaltende Krisen sind nicht für kurzzeitige Adrenalinextreme gedacht. Nach Absenken des Levels an Adrenalin und Wiederherstellung von Schmerzempfindungen der entsprechenden Synapsenverbindungen ist man danach völlig zerstört und von da an eine Weile unbrauchbar als Einheit zur Rettung von sich selbst geschweigedenn von Mitmenschen.
Ich habe mir mal Elle und Speiche gebrochen und das Adrenalin hat so heftigst aufgepuscht, ich hatte ein richtiges "high" und der Verstand hat sofort alle Verbindungen von Schmerz zu den entsprechenden Rezeptoren unterbrochen. DIe Umgebungswahrnehmung war so klar wie noch nie. Das Handgelenk hat so rumgebaumelt und ich empfand null Schmerz, null Angst, null Panik - eher wie ein Übermensch mit Superkräften. Für knapp 10 Minuten oder so ... Danach war's auch vorbei und ich war nur noch ein Typ mit heftigsten Schmerzen die alle auf einmal wiederkamen. Ja, der Körper und Verstand sind schon mächtig und können in Extremsituationen kurzzeitige Wunder wirken und alle herkömmlichen grenzen bei weitem übersteigen - aber eben nicht lange. Es reicht der Hölle zu entkommen, aber von da an ist man auf das angewiesen was man im Normalfall auch schafft. "Back to the basics" sozusagen.
Je robuster das Fundament, desto höher sind die Limits in solchen Ausnahmesituationen. Es ist schon nicht schlecht zu wissen, dass man auch mal 30 Minuten joggen kann ohne umzufallen und wenn man dabei noch ein Backpack tragen kann oder gar sein eigenes Kind, dann ist das umsobesser. Diese Extremen Pushes sind halt wirklich nur das "Ausschalten von Selbstersicherungsprozessen" wie Schmerzempfindung oder das Aufhören von Aktionen die einem eigentlich eher schaden würden.
Nur einer unter etlichen Millionen schafft sowas auf Dauer - z.B. der Mythos von Pheidippides der 240km am Stück rannte innerhalb von nur zwei Tagen um den Sieg von Athen über die Perser zu verkünden - doch nach seinem zwei-Tage-240km-Sprint verstarb auch dieser nach seiner Ankunft, nach eben Absenken von Adrenalin und Wiederherstellung eines "Ruhezustandes" bei seiner Ankunft. (Er rannte von Marathon nach AThen, daher nennen wir das heute Marathonlauf - so nebenbei als kleine Geschichte)
Es ist nicht so, dass man übermenschlich wird, es ist nur, dass man die Schäden die man erhält ignoriert - nicht bewusst, sondern automatisch ausgeschaltet zum Selbstschutz bis zur Beendigung der Aufgabe (evolutionär betrachtet von einst für eine Flucht gedacht oder für ein Kampf um's Überleben). Ein Überlebensmodus. Ich würde mich darauf nciht verlassen. Wenn der Normalzustand so gut ist, dass er reicht um Extreme zu überwinden, muss man garnicht erst in den Überlebensmodus wechseln, der nie ohne körperliche oder psychische Nachteile ist.
Daher arbeite ich z.B. (und erhoffe das von allen Preppern) den Normalzustand aufzubessern wie es möglich ist. Sei es eben psychische Abhärtung indem man künstlich Situationen schafft die über den Alltag hinausgehen (sei es eben das typische alleine im Wald sein fernab einer möglichen schneller Rückkehr oder auch Alltagssituationen wie den Verzicht auf Flucht in Konfrontation mit Aggressoren) oder eben die körperliche Fitness die ich seit einer Weile durchgehend steigere.
Ein 80L Fluchtrucksack ist nutzlos, wenn man nach 3km Pause machen muss.