Individuelle Risiken

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Esther

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Individuelle Risiken

von Esther am 21.10.2017 13:14

Da mal wieder nicht viel los ist, dachte ich, dass ich hier mal wieder was loswerde.
Die Frage, welches Krisenszenario man am wahrscheinlichsten hält, fehlt unter Preppern nie.
Aber wahrscheinlich oder unwahrscheinlich... was wäre für euch persönlich denn der größte Risikofaktor oder wo lägen eure größten Probleme.
Vielleicht lebt ihr in der Nähe eines AKWs, Chemiewerkes oder Flusses, der gerne mal über die Ufer tritt, in einem von Lawinen bedrohtem Landstrich, in einer Gegend mit hoher Kriminalität oder besonderem militärischen Interesse, in einer Stadt aus der man nur schwer raus kommt wenn sich viele auf den Weg machen, habt eine schwer zu verteidigende Wohnung (oder Haus), hilfsbedürftige Familienmitglieder, zu wenig Lagerplatz oder Möglichkeiten bestimmte Dinge umzusetzen... was auch immer. Und wie geht ihr damit um. Vielleicht wird der ein oder andere dabei ja noch auf Schwierigkeiten hingewiesen, an die er (oder sie) noch nicht gedacht hat oder wird auf mögliche Lösungen aufmerksam.
Mir inklusive, denn außer der Hochwassergefahr – die Elbe ist Luftlinie nur etwa 500 m entfernt - ist mir an individuellen Risiken noch nicht wirklich viel eingefallen. Dieses Risiko besteht aber durchaus. Es ist in der Vergangenheit jedenfalls schon vorgekommen. Es wäre der einzige Fall, bei dem ich notfalls das Haus zumindest zeitweilig verlassen müsste. Evakuiert wurde hier zwar noch nie, es stand aber schon einmal im Raum.
Direkt auf einen solchen Fall vorbereiten tue ich mich nicht, da es das erste Mal seit bestehen des Deiches wäre, dass eine Evakuierung/Flucht von Nöten wäre und der Deich zudem weiter ins Inland erlegt wurde. Wenn es aber doch dazu käme, würde ich einfach zu Bekannten gehen, die außerhalb des Flutgebietes und trotzdem nicht weit weg wohnen. Im allerschlimmsten Fall gibt es hier zahlreiche leer stehende Häuser in der Umgebung.
Die Feuergefahr ist ebenfalls höher als anderswo. Wenn Schornsteinfeger ausfallen würden, müsste ich mich regelmäßig selbst darum kümmern den Schornstein zu reinigen (die nötigen Utensilien habe ich). Mein Haus ist in die Jahre gekommen. Und altes Holz und Stroh brennt halt doch recht gut.
Ein akuteres Problem, zumindest bei einer wirklich weitreichenden Krise, wäre meine momentane Abhängigkeit von Medikamenten. Sie wären zwar nicht überlebenswichtig, ihr Fehlen aber extrem unangenehm. Und so wie bei jemandem mit Epilepsie oder schweren Depressionen, der sich ohne Medikamente nur unter Schmerzen bewegen kann oder dem nach wenigen Metern rennen schon die Luft ausgeht, kann es in manchen Situationen dann eben doch gefährlich sein. Alles was mir dazu einfällt ist so viel wie an Medis zu bunkern. Wenn ich gefragt werde, ob ich noch genug habe, gebe ich immer etwas weniger an als tatsächlich noch da ist.
Ja, wenn ich es mir genau überlege, könnte auch ein Finanzcrash Probleme machen. Ich habe durchaus finanzielle Verpflichtungen wie mein Häuschen aber z.Z. bei weitem nicht genug Geld übrig um mich auf einen solchen Fall vorzubereiten. Außer ein paar Silbermünzen aus besseren Zeiten, die ich teilweise auch schon verscherbeln musste, ist da nichts an Sicherheiten, fürchte ich.
Alles andere, würde ich hier vermutlich gelassen aussitzen können. Und vieles, was anderswo ein Problem wäre, ist hier vernachlässigbar.

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Konz
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Re: Individuelle Risiken

von Konz am 22.10.2017 11:02

Hallo Esther,

eine sehr gute Frage mit der sich nicht jeder Prepper befasst.
Es ist auch tatsächlich, nach längerem Überlegen, ziemlich schwierig die tatsächlichen Risiken bewerten zu können.

Für mich persönlich ist wohl eines der naheliegendsten Risiken ein finanzieller Engpass aufgrund "normalem" Einkommen. Da reicht auch schon eine höhere Nebenkostenabrechnung und schon sind die Mittel begrenzt. Da ich damit bereits Erfahrung hatte, weiss ich was ich einlagere und wie ich meinen Einkauf zu erledigen habe um circa einen Monat gut über die Runden zu kommen ohne mein normales Verhalten einschränken zu müssen. Lebensmittelvorräte für mich und meine tierischen Mitbewohner sind stets auf mindestens einen Monat ausgelegt ohne einkaufen zu müssen. Natürlich ist das dann auch kein Leben im Überfluss, jedoch vollkommen ausreichend und abwechslungsreich genug um auch moralisch fit zu bleiben.

Weitere Krisenszenarien:
Stromausfälle: Kerzen, LED-Lampen, Powerbank, Kocher
Finanzkrise: Betrifft den Otto-Normal-Verbraucher kaum, dafür gibt es ein ausreichend gefülltes Lager
Schneemassen: Lebe nicht besonders abseits von der Stadt, genügend Räumungsdienste und Erreichbarkeit zu Fuß der notwendigstens Stellen
Krankheit: Bin überwiegend fit, benötige keine durchgehende Meidkation, aufgrund von Pharmaverzicht über längere Zeit wirkt auch eine normale Kopfschmerztablette bereits intensiv + Einige Homeopathischen Mittel vorhanden und ausreichend Wissen zur Behandlung gängiger Erkrankungen wie Erkältungen und Co. (Sonst: Siehe Bibliothek
Hochwasser: Wir haben einen mittelgroßen Fluss hier, erreicht mich bei Überschwemmung nicht

Bei familieren Nöten wird's schwierig, da einige weiter entfernt wohnen und nicht erreichbar wären. Fußmärsche gedingt möglich, man kann denen ja mit einer Person kaum die Mengen an Nahrung und Verpflegung mitbringen wie mit einem Fahrzeug.

An dieser Stelle stelle ich fest, dass ich mein Lager deutlichst ausbauen müsste um auch anderen helfen zu können außer einer Hand voll Nachbarn.

Krieg: Da haben wir alle verloren, mal schauen wie der Staat reagiert, vllt werde ich eingezogen, habe auch ein paar kleinere "Ideen" die gesellschaftlichen Strukturen binnen der Stadt wiederherstellen zu können bzw zu unterstützen (Genaueres gibt es nicht,sind nur Ideen für "falls ich gebraucht werde")

Mit individuellen Szenarien kann man sich tagelang beschäftigen.

Mein Eindruck ist, dass Preppen "überwiegend" so beginnt:
Wow, cool, mache ich. Welche Risiken? Keine Ahnung, aber lieber vorbereitet als nicht.

Und das reicht meist auch schon, denn selbst ohne realistische Einschätzung der individuellen Krisenmöglichkeiten ist man so gut wie in jeder Lage besser dran mit kleinen Vorbereitungen als komplett ohne. Den Gedanken an die ECHTEN Krisenmöglichkeiten kann man sich auch im Laufe der Prepperzeit stellen und somit seineVorbereitungen verbessern.

Danke für den sehr konstruktiven Gedanken Esther!

"Der Unterschied zwischen Panik und klarem Verstand ist die Vorbereitung."

Antworten Zuletzt bearbeitet am 22.10.2017 11:22.

Esther

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Re: Individuelle Risiken

von Esther am 22.10.2017 13:55

siehst du... den Schnee hatte ich vernachlässigt. Bei uns wird immer als letztes geräumt und ganz speziell unsere Straße darf auch gar nicht mit Salz gestreut werden.
Und Sturm hatte ich vergessen. Der ist wegen des platten Landes häufig und häufig sehr stark. Es gab schon einmal zwei Tage, in denen ich nicht das Haus verlassen habe, da ich die Haustür (in Windrichtung) zwar auf- aber nicht mehr zubekommen hätte. Da ist mir dann auch spontan eingefallen, dass ich ja eigentlich genug zu Hause habe. Bei Schnee mit Sturm sieht es hier gelegentlich durchaus etwas apokalyptisch aus. Letzten Winter mussten wir eine alte Dame mal "retten" und nach Hause bringen. Die hätte sonst festgesessen.
Mit beidem durfte ich aber schon ausreichend Erfahrung sammeln.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 22.10.2017 14:05.

Tiberius

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Re: Individuelle Risiken

von Tiberius am 22.10.2017 21:27

Hallo zusammen, 
Schnee sollte man nie vergessen. Lebe in der Voreifel. Vor ein paar Jahren hatten wir 90 cm Schnee inerhalten  von 3 Tagen. Kein Problem, auf dem Dorf hat man imer Reserven. Ich selbst habe Reserven für über 3 Monate + ebende Tiere. 
Habe aber noch andere Probleme. Das belgische Pannen-AKW Tihagne ist nur 70 km luftlinie entfernt. 
Kellerfenster habe ich mit 6mm Stahlplatten gesichert. 
Luft kann ich über einen Filter reinigen (Staubfilter). Wasser habe ich unbegrenzt. Habe einen Brunnen im Keller. Jodttabletten habe ich natürlich auch. Overgamen-Anzüge, ABC-Masken und ausreichend Filter sind vorhanden. 
Bei einem Krieg kommen die nächsten Probleme.
-Luftwaffenstützpunkt 29 km Luftlinie, 
-NATO Tanklager Luftwaffe 25 km Luftlinie, 
-BW Nachschubbunker ca.2km unter der Erde! Nur 23 km entfernt. Da hauen die Russen was richtig "Dickes" rein. 
Mit Hochwasser habe ich kein Problem, der nächste Fluß ist ca.200 Meter tiefer als mein Haus. 
Ein Bürgerkrieg ist in Deutschland höchst unwahrscheinlicher. Doch als Jäger und Spörtschütze im BDMP  (Bund der Militär und Polizeischützen) bin ich auch dafür vorbereitet. Habe für jedes Gewehr ca. 500 Schuß, für Pistolen und Revolver ca.150 Schuß.  Hoffen wir, daß ich die nie benötige.

Als LKW-Fahrer habe ich auch immer meinen Homepage dabei. 

Habe in jungen Jahren Überlebenstraining in Kanada (Yukon) gemacht. War 5 mal über 2 Monate in der Wildnis mit nur 3 kg Ausrüstung + Waffe und Munition. 
Habe gelernt, mit wenig zu Überleben. 

Auf die meisten Dinge bin ich vorbereitett. Aber nicht auf ALLES . 
 

Wenn es blutet, kann man es auch töten. 

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Ben

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Beiträge: 140

Re: Individuelle Risiken

von Ben am 26.10.2017 07:47

@ Tiberius, als LKW Fahrer hast du was dabei? Die Autokorrektur hat da was anderes draus gemacht. ;)

Ich finde mit solchen "Was wäre wenn" Szenarien macht man sich nur selbst verrückt. Kontinuierliches Bevorraten und ein gewisses Wissen über den Wald und die Natur zu haben ist ein guter Grundstock.
Alleine wenn ich mir die ganzen Gefahren bei Tiberius anschau, da kann man sich nicht auf alles vorbereiten.

Es reden immer alle von den Szenarien die Vorkommen, ich rede jetzt mal von denen auf die ich mich nicht vorbereite.

Am unwahrscheinlichsten halte ich persönlich (Reihenfolge ging die Unwahrscheinlichkeit an):

- Polumkehr
- Vulkanausbruch in Deutschland
- Bürgerkrieg (spontan und ohne auslösende Katastrophe)

Da kann man Bücher drüber schreiben!

Zum Thema Schnee:

Winter is coming!

Mfg

Ben

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Esther

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Re: Individuelle Risiken

von Esther am 27.10.2017 21:12

Verrückt machen tue ich mich nie wegen so etwas. Schließlich bleiben es vorerst Gedankenspiele. Aber Vorbereitung beinhaltet ja auch die gedankliche, damit man nicht im Fall der Fälle auf dem falschen Fuß erwischt wird. Und dafür finde ich es schon gut zu wissen, was einem überhaupt gefährlich werden kann und was nicht. Ich finde es im Umkehrschluß auch beruhigend, wie viele Szenarien mich vermutlich gar nicht oder nur gering betreffen würden. Mein Wohnort ist militärisch völlig uninteressant, Plünderungen sind hier extem unwahrscheinlich, ich habe kein AKW in der Nähe etc. pp.
Was deine unwahrscheinlichsten Szenarien angeht, würde ich dir nur bedingt recht geben. Es gibt einen Unterschied zwischen Szenarien, die unwahrscheinlich sind und denen, die wohl nicht mehr zu unseren Lebzeiten stattfinden werden.
Die magnetische Polumkehr z.B. ist bereits im Gange (nicht verwechseln mit einer geografischen, das ist ein völlig anderes Thema). Allerdings lässt hoffen, dass die noch lange genug im Gange sein wird, dass ich keinen Totalausfall des Magnetfeldes mehr erleben werde. Wobei ich die Folgen auch nicht für so dramatisch halte, wie es gelegentlich dargestellt wird.
Einen Vulkanausbruch in Deutschland halte ich auch für sehr unwahrscheinlich. Da mag unter der Eifel brodeln was will, das kann noch Ewigkeiten dauern. Aber wir wären auch von andern Vulkanen betroffen, selbst wenn sie weit weg sind, solange sie nur groß genug sind. Und da sind schon mehrere rein rechnerisch längst überfällig. Der Vesuv und die Plägräischen Felder werden sicher nicht ganz unbegründet bereits permanent überwacht und das sind längst nicht die einzigen. Die Frage ist in solchen Fällen nicht ob, sondern wann. Glücklicherweise ist Zeit für unsere Erde etwas völlig anderes als für uns. Da liegen 10000 Jahre durchaus noch im Toleranzbereich, was wiederum hoffen lässt es nicht zu erleben. Aber für so unglaublich unwahrscheinlich halte ich es nicht.
Beim Bürgerkrieg bin ich aber ganz deiner meinung. Sowas braucht schon einen sehr einschneidenden Auslöser.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 02.11.2017 22:59.

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